Serverneukauf für Medatixx Anfrage

Nachdem ich bei Facharzt.de eine Anfrage bekam, die ihr unten noch nachlesen könnt, werde ich mal kurz meine Meinung zu der konkreten Umgebung schreiben und Links auf die entsprechenden Punkte setzen.

Vielleicht kann sich der Anfragende ja dazu hinreissen lassen, wenn er meine Arbeitszeit schon kostenfrei bekommt, eine kleine Spende hier zu hinterlassen

https://www.seenotretter.de/spenden/

Und um einmal die Höhe vorzuschlagen, ich habe knapp 2 Stunden mit den Überlegungen verbracht, das Systemhaus meines Vertrauens nimmt je Stunde 60 Euro, sind also 120 Euro an Beratungsleistung.

Und nein, es ist keine Pflicht, ich würde mich einfach freuen, wenn ich den Seenotrettern etwas gutes tue, sie bekommen kein Geld vom Staat und sind doch immer da, wenn an sie braucht.

Nach ein paar ersten schnellen Rückfragen zu der Umgebung kommt folgendes Bild zu tragen:

  • 2 Ärzte
  • 5 Helferinnen
  • SQL Datenbank für DocArchiv
  • 10 Clients hp G1-400 SFF
    • Umgerüstet auf Samsung SSD840
  • 5 Netzwerkdrucker Brother HL-5350DN
  • 1 MFC Brother MFC-8880DN
  • 1 OKI ML-3390 Nadeldrucker
  • 1 Tandberg RDX
  • und noch ein paar Geräte die man in Arztpraxen findet, die ich nicht kenne (Custo EKG / Ergo …)
  • kein Internetanschluss

Empfohlen wurde durch die Medatixx ein Fujitsu Server, welcher im Handel 750 Euro kosten soll und durch Medatixx für 1.500 Euro plus Einrichtung ausgeliefert werden soll.

Dem Arzt, wurde, wie mir auch vor Jahren, die Story erzählt, das Medatixx bis vor Gericht auf Schadenersatz verklagt wurde, wenn man nicht bei ihnen kauft.

Meine Meinung dazu, ein gutes Backup kümmert sich um die Daten, und jeder Arzt / Unternehmer ist eh verpflichtet seine Daten so zu sichern, dass er auf die Datenverfügbarkeit sicherstellt… Also nur ein Druckmittel, damit man bei ihnen kauft und nicht bei einem kleinen Systemhaus kauft.

Also wollen wir mal ans Eingemachte gehen…

Clients sind vorhanden und in meinen Augen nicht die schlechtesten und von einem der grossen Hersteller, also auch keine Probleme.

Der alte Server lief wohl als Domain Controller mit, auch wenn anscheinend nicht alle Funktionen genutzt wurden und benötigt wurden.

Softwaretechnisch würde ich heute keinen Server 2008R2 mehr kaufen, also wenn überhaupt dann einen 2012R2 kaufen und schauen, ob ich ein Downgrade durchführen kann.

Bei der oben genannten Umgebung habe ich also die Wahl zwischen 2012R2 Foundation oder 2012R2 Essentials, da ich einige Funktionen des Essentials genial finde, geht meine Empfehlung an den Essentials.

  • Clientbackup
  • Connector für die Clients
  • Dashboard auf dem Client nutzbar

Also brauchen wir passende Hardware für eine Arztpraxis die papierlos lebt, Datensicherheit / Datenverfügbarkeit sollte also etwas höher sein, als wenn man noch eine Papierakte zur Verfügung hat, da man sonst ganz schnell echte Geldverluste hat, die man nacharbeiten muss.

Aufgrund der Leistungsdaten würde ich wahrscheinlich auf einen Dell Poweredge T20 setzen, den ich wie folgt ausstatten würde

  • Dell Poweredge T20 mit Xeon Processor
  • 16 GB ECC Ram
  • 1 x Samsung SSD 850 Pro mit 128 GB für das System
  • 1 x Samsung SSD 850 Pro mit 512 GB für die Daten
  • 1 x WD Red 2 TB für die Clientbackups
  • 1 x WD RED 2 TB für das Backup das Servers intern

Das kann alles in den Internen Schächten des Servers liegen, ohne das ich weitere Controller benötige und sollte auch richtig Spass machen.

Mit einem externen Controller für 2 Festplatten, kann ich auch 2 weitere 3,5 Festplatten unterbringen und wenn ich mehr Daten als auf SSD liegen können, diese auch auf 3 x 3,5“ Festplatten unterbringen und dieses dann mit den Storage Spaces / Storage Pool von Windows verteilen lassen (Software Raid).

Kosten sind dann:

Summe hierfür: 1390 Euro

Damit die Backups noch besser verteilt sind, würde ich noch 5 USB Festplatten (für jeden Tag eine) dazu nehmen

  • 5 x USB 3.0 WD Elements 2 TB 550 Euro

Und da wahrscheinlich auch ein neuer Virenscanner fällig ist, empfehle ich hier wie meistens ESET NOD32 Antivirus, hierfür gibt es einen Offline Updater und die Clients können sich die Updates dann vom Server aus holen.

ESET kostet für 3 Jahre und 11 Lizenzen etwa 600 Euro, das ist also pro Monat etwa 1,50 Euro je Arbeitsstation …

Macht insgesamt an Hardware / Lizenzen 2500 Euro.

Für den Zusammenbau des Servers / der Installation des OS / Einrichten des Backups auf die interne Platte und Konfiguration des Backups auf die USB Platten würde ich einen halben Tag ansetzen.

Dazu kommt dann noch die Datenübernahme / Installation von DocArchiv und die Einbindung von 10 Clients in die Essentials Domain…. Sehe ich auch noch einmal einen Tag, vielleicht auch 1,5 … Ich kann nicht abschätzen, wie die restlichen Daten verteilt sind und sich sichern und zurückschreiben lassen.

Und jetzt noch kurz die Anfrage als Zitat ohne den Namen:

mit Begeisterung lese ich Ihre Bauvorschläge für einen docconcept-Server und auch das Einstellen der Anleitung für einen Server 2012R2 fand ich großartig. Selbst mit einem gewissen Tatendrang in Richtung EDV gesegnet und nach vielen selbst gebauten und installierten Rechnern im privaten, aber auch im Praxisbereich (einzelne Clients), stellt sich uns (Allgemeinärztlich-Internistische Praxisgemeinschaft – ein Kollege und ich) gerade auch mal wieder die Frage nach einem neuen Server – der letzte ist ein IBM x3450 von 2008 – da läuft noch 2003R2 drauf – unser Netzwerk hat keine Internetverbindung, Wir haben 10 Clients und 6 Netzwerkdrucker. DocArchiv 2.0 läuft als Datensammler – das ganze papierlos inkl. Sono und EKG (custo). Den Server hatte ich damals am freien Markt für die Hälfte des Angebotspreises eingekauft, dann dem Münchner DocConcept-Vertreter hingefahren und am Ende von denen hier einsetzen lassen. Dies wollte ich nun mit 10 neuen Clients (schon gekaufte hp G1-400 SFF mit auf Win7 downgegradeten Win8Pro-Lizenzen) ebenso machen und höre nun: das machen wir so nicht mehr. Da gab es Ärger bis vor Gericht, nachdem jemand uns (medatixx) haftbar machen wollte für einen Systemausfall. Angeboten wurde mir nun immerhin, den Server dort zu kaufen – dann stellen sie mir auch die Clients ins Netz und übernehmen ggf. auftretende Probleme im Netzwerk. Allerdings ist das Angebot wie immer massiv überzogen. Ein kleiner Fujitsu-Server mit 3 Platten (SAS, aber non-SSD) und Backupsoftware inkl. Einrichtung (nicht Einbindung bei uns!) und Win Server 2008R2 + 5CALs sollen 5000€ kosten. Der Server allein schlägt mit 1500€ zu Buche – bei Geizhals gibt es ihn für 750€. Nun frage ich mich, ob ich nicht wieder selbst Hand anlegen soll bei dem Preisunterschied. Allerdings habe ich neben einem Homeserver hier daheim (erst Version 1, inzwischen 2011) bisher wenig Erfahrungen mit Serverinstallationen gemacht und in der Praxis schon meine Probleme mit vergessenem Abmelden bei der Domäne mit einzelnen Rechnern gehabt – im Moment sind die Praxis-Rechner entsprechend teilweise nicht mehr in der Domäne – funktionieren tut es allerdings trotzdem 😉 Und da kommen mir ein paar Fragen: Medatixx München sagt, man würde dort 2012R2 nur einsetzen in Verbindung mit Win 8.1 Pro-Rechnern – jetzt habe ich die 10 Kisten mühsam auf SSDs umgebaut mit klonen der Recoverypartition und Einrichtung Win 7 Pro (downgrade) laut medatixx. Läuft das bei Ihnen inzwischen mit dem Server 2012R2 und Win7-Clients? Und angeblich gäbe es mit Win8 doch Treiberprobleme mit Nadeldruckern und evtl auch EKG/Scanner etc pp. Man empfiehlt mir also Win Server 2008R2 mit Win7-Clients – da sehe ich die rote Fahne wegen Updateauslauf schon wieder leuchten. Anfrage wegen 2008R2 als Downgrade läuft. Weiterhin wird behauptet, Foundation wäre ja schön und gut, aber mit den 6 Netzwerkdruckern käme ich ja auf 16 Nutzer – das sei lizenzrechtlich problematisch. Andererseits wird mir Server 2008R2 (5 CALs inkl) und 5 CALs angeboten – das würde dann wieder reichen – da zählten die Drucker dann nicht mit. Essentials (25 User) gab es ja noch nicht beim 2008er, wenn ich das richtig recherchiert habe. Oder kennen sie zufällig jemanden in Bayern, der uns den Server einrichten bzw. die Netzwerkadministration dauerhaft für anständige Preise übernehmen kann/will? Viele Fragen, entschuldigen Sie das freche Anschreiben, aber ich weiß nicht recht, wen ich sonst fragen sollte.

2 Gedanken zu „Serverneukauf für Medatixx Anfrage

  1. Benedikt

    Hallo Herr Rüst,
    vielen Dank für Ihre Zeit – sehr gerne habe ich die 120€ gespendet – ich hätte Sie aber auch jederzeit für Ihre Mühen bezahlt. Es lag nicht in meinem Sinne, sie auszunutzen. Viel mehr hatte ich bei bisher nur passivem Lesen in Facharzt.de Ihre Antworten und Guides immer sehr geschätzt. Und die Angebote von medatixx sind einfach schon immer zu hoch gewesen – das hat sich nicht geändert. Das einzige Systemhaus, dass mir von einer Kollegin empfohlen wurde, hat keinerlei Erfahrungen mit ixxConcept und sich dann nach einem von denen wegen akutem Notfall bei einem anderen Kunden abgesagten Termin auf meine zweite Anfrage nicht mehr gemeldet. Mit Freude lese ich hier Ihren Vorschlag und werde das, gerne auch mit einem von Ihnen empfohlenen Systemhaus, wohl umsetzen. Es sei denn, sie sagen, der alte IBM x3400 ist mit neuen Platten doch noch pfenningguat – dann läuft es allerdings auf 2008R2 hinaus – neuere Treiber gibt es dafür nicht.
    Mit bestem Gruß aus dem Süden,
    Benedikt Gallitz

    Antworten
    1. admin Beitragsautor

      Hallo Herr Dr. Gallitz,

      ich habe mich nicht ausgenutzt gefühlt, wenn ich das Gefühl habe, dann mache ich so etwas nicht. Und da das hier, mein „Hobby“ ist, nicht mein Job, nehme ich gerne die Spende an die Seenotretter oder irgendjemand anderen.
      Und wenn jemand nicht spendet, ist es für mich auch in Ordnung.

      Zu den Angeboten von Medatixx, ich weiss nicht, ob sie zu Hoch sind, die Preise sind nicht die eines „Kistenschiebers“, sondern die eines Anbieters, der ihnen den Service auch noch mit gibt, und zumindest die beiden Techniker, die in 8 Jahren unsere Praxis betreten haben, war technisch top und schnell damit durch.

      Zu dem IBM x3400 System bin ich hin und her gerissen, wir haben uns aus diversen Gründen gegen einen weiter betreiben des x3200 Systems entschieden, auch weil wir nicht mit einem Hardwaredefekt rechnen wollten, der immer wahrscheinlicher wird, auf der anderen Seite hätte der x3200, so wie wahrscheinlich der x3400 noch eine Weile gereicht und gehalten.
      Es gibt keinen Königsweg, sondern nur Kompromisse, Geld / Zeit / Ausfallwahrscheinlichkeit usw müssen abgewogen werden und dann entschieden werden, wo ist die Leidensfähigkeit am höchsten.

      Gruss
      J

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